Eine "sandige" Geschichte

Sand diente früher als Putz- und Scheuermittel in Stall, Stube und Küche.

Weil Sand weseraufwärts kaum zu finden war, wurden in Estorf gelegene, bequem erreichbare Sandberge angebrochen und im Laufe von Jahrhunderten abgefahren.

Schon lange vor dem 30jährigen Krieg entstand an der Landstraße Nienburg - Minden eine Gastwirtschaft mit Schnapsbrennerei - "de ole Kraug", wo hauptsächlich Sandfuhrleute einkehrten.  1875 kam sie durch Kauf in den Besitz der aus altem Estorfer Geschlecht stammenden Familie Meyer.

Nach einem gründlichen Aus- und Umbau holte man den fast in Vergessenheit geratenen Namen wieder hervor.
Traditionsgemäß wurde aus "de ole Kraug" das heutige

Tilly war hier ...

Estorf zählt zu den ältesten Ortschaften der früheren Grafschaft Hoya und wurde zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde vom 9. Februar 1096 erwähnt. In dieser Urkunde übertrug die Gräfin Meresvid von Stumpenhausen unter anderem ein Vorwerk* namens „Aesdorpe“ der Mindener Kirche. Nach Ausgrabungsfunden aus dem Jahre 1977 ist jedoch anzunehmen, dass bereits um 550 n. Chr. die heutige Ortslage ständig bewohnt wurde.
*(in der Landwirtschaft ein vom Hauptgut abgetrennter Teil des Gutshofes mit eigenen Wirtschaftsgebäuden)

Bedeutenden Einfluss hatten zu Zeiten des Mittelalters die beiden großen Adelsfamilien der von Freytag und der berühmteren von Münchhausen. Letztere trennten sich jedoch bis 1413 von ihren Estorfer Besitztümern, während die von Freytags bis zum heutigen Tage ihr Gut bewirtschaften.

In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte Tilly während der Belagerung der Stadt Nienburg hier sein Hauptquartier aufgeschlagen.

Während dieser Zeit legten die Bewohner Estorfs zum Schutz ihrer Ernten vor herumziehenden Söldnern im Wald versteckt Scheunen an, den sogenannten "Schünebusch".

Hier lagerten sie u.a. Tabak, der in der Region angebaut wurde. Daher wird auch heute noch von den "Tabak-Scheunen" gesprochen.